Gleich am Anfang sieht man, dass man es bei Galilei mit einem Physiker zu tun hat, als er meint, dass der Milchmann, der um das Haus läuft, keine Kreis um das Haus macht, sondern einen Kreis beschreibt. Die Formulierung ist zwar unangebracht und man weiß nicht ob es ein Witz sein sollte, aber es macht dennoch deutlich, dass Galilei mit der physikalischen Fachsprache vertraut ist.
Später erklärt er dem Sohn seiner Haushälterin (Andrea) das kopernikanische Weltsystem, was ihm später in den Konflikt mit der Kirche bringt. Allerdings hat Galileo kein Furcht, weil er schon einige Belege gesammelt hat. Allerdings wird hier die Freiheit der Forschung thematisiert, die es damals sicherlich nicht gab. Aber auch heute noch hat der Forscher, der ganz frei forschen möchte häufig noch Probleme:
Später erfährt der Leser, dass es Galilei an Geld mangelt. Forschung muss oft auch wirtschaftlich sein, die Ergebnisse müssen einen Nutzen haben, mit dem man Geld verdienen kann. Somit kann sich ein Forscher auch heutzutage oft auch nicht aussuchen, wonach er forschen möchte. Grundlagenforschung an irgendwelchen Teilchenbeschleunigern ist sicherlich hoch interessant, allerdings werden die Ergebnisse (außer dass sie Erkenntnis bringen) erst in 100 Jahre der Menschheit einen konkreten Nutzen bringen, womit es schwer ist, Sponsoren zu finden. Dagegen wird die Forschung zur Entwicklung neuartiger Waffen sehr gut bezahlt.
Der Missbrauch von wissenschaftlicher Erkenntnis wird auch im Werk thematisiert. Galilei hat sein Fernrohr nur zu Forschungszwecken entwickelt. Aus Geldmangel verkauft er es jedoch zum Gebrauch auf Kriegsschiffen (um die Feinde früher zu sehen).
Da kommt man gleich zum nächsten Punkt: die Verantwortung der Wissenschaft. Galilei in Brechts Werk beantwortet die Frage vollgendermaßen: Der Wissenschaftler habe sich zwar nicht die Frage zu stellen, wohin die Forschung führen wird aber die Erkenntnisse sollen zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden. Galilei hat mit seinen Entdeckungen zur Zerstörung der damaligen Gesellschaftlichen Ordnung beigetragen, die den Menschen in ihren Leben einen Sinn gegeben hatte (obwohl es nicht zutraf haben viele Menschen geglaubt, dass diese Ordnung richtig sei).
Ein zentrales Thema stellt also auch der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion dar. Die Wissenschaft versucht alles zu erklären, aber einen entgültigen Sinn gibt es nur in der Religion.
Brecht zeigt auch die Bedeutung des Zweifels für die Naturwissenschaften. Am Anfang des 19. Jahrhunderts dachte man, das alle Fragen in der Physik weitgehend geklärt seien. Newtons Gesetze beschrieben die Mechanik sehr gut, insbesondere konnte die Gravitation sehr genau durch sein Gravitationsgesetz beschrieben werden. Die Elektrodynamik war von Maxwell auf eine solide mathematische Grundlage gebracht worden. Doch dann kam Einstein und krempelte das physikalische Weltbild mit seiner Relativitätstheorie völlig um. Kurz darauf wurde es von der Quantentheorie erneut erschüttert.
Weiterhin beschreibt Brecht, wie die großen Erkenntnisse in der Physik immer gewonnen wurden: Durch das Lösen von Konflikten. Zur Zeit Galilei’s herrschte das ptolemäische Weltsystem vor - eine Theorie. Eine Theorie regiert jedoch nur so lange, bis Phänomene gefunden werden, die nicht mehr mit dieser Theorie erklärt werden können. Diese geriet schon bald in den Widerspruch zu Galilei’s Beobachtungen. Das kopernikanische Weltsystem löste diesen Widerspruch.
Auch Einstein hat solche Konflikte gelöst. Nach Newtons Mechanik könnte man einen Lichtstrahl (die Photonen) einholen. Wenn man neben ihnen herfliegt, müssten sie aussehen, als ob sie in Ruhe seien. Nach Maxwells Elektrodynamik jedoch hat das Licht als elektromagnetische Welle für jeden Beobachter eine konstante Geschwindigkeit - die Lichtgeschwindigkeit. Einsteins spezielle Relativitätstheorie löste diesen Konflikt, löste jedoch gleich den neuen aus: nach der Relativitätstheorie kann sich nichts schneller als mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, Newtons Gravitationstheorie sagt jedoch auch, dass sich Änderungen im Gravitationsfeld augenblicklich im gesamten Universum ausbreiten. 15 Jahre später hat Einstein auch diesen Konflikt gelöst und stellte die allgemeine Relativitatstheorie als neue Gravitationstheorie vor. Nach ihr wirkt die Gravitation als Krümmung des Raumzeit-Kontinuums. Veränderungen können sich auch nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Allerdings entstand ein neuer Konflikt: die Quantentheorie, die mit der Relativitätstheorie unvereinbar ist. Der Grund ist, das der Raum nach der Relativitätstheorie glatt ist. Nach der Quantenmechanik ist der Raum auf mikroskopischer Ebene wegen der Unschärferelation ein brodelndes Meer aus Deformationen. Wendet man die Gleichungen der Quanten- und Relativitätstheorie gemeinsam an, ergeben sich unsinnige Werte. Allerdings gibt es viele Versuche diese beiden Theorien zu vereinigen. Ein Kandidat stellt die String-Theorie dar, nach der alle Teilchen und Kräfte aus winzigen Strings bestehen. Sie könnte eine Theorie von allem - eine Weltformel - werden.
Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt: Brecht erwähnt auch die zentrale Idee, die unzähligen Phänomene im Universum mit einigen wenigen Gesetzen zu beschreiben und zu erklären (im Endstadium wäre dies eine Weltformel).
GALILEI […] Die alten Lehren, die tausend Jahre geglaubt wurden, sind ganz baufällig. […] Viele Gesetze, die weniges erklären, während die neue Hypothese wenige Gesetze hat, die vieles erklären. (S. 21)
Und tatsächlich ist so eine Entwicklung in dern letzten Jahrhunderten zu verfolgen. Aus viele Gesetzmäßigkeiten in der Physik sind inzwischen wenige viel allgemeiner geworden. Funktioniert das Universum wirklich einfacher als wir denken? Zum Beispiel wurde das elektrische und magnetische Feld früher als etwas verschiedenes betrachtet. Später kam Maxwell und zeigte, dass dies beides Phänomene eines einzigen Feldes, des elektronmagnetische Feldes sind und konnte die gesamten Elektrodynamik mit 4 Gleichungen (den Maxwell-Gleichungen) beschreiben, aus denen sich alle Phänome ableiten lassen. Heute sind viele Physiker dabei, die beiden Grundpfeiler der modernen Physik (Quanten- und Relativitätstheorie) zu vereinen.